Nadelholz-Marketing vom Feinsten
Die größte Nadelwertholzsubmission Süddeutschlands mit Holz aus fünf Landkreisen auf fünf Lagerplätzen mit insgesamt 4.200 Festmetern bestem Nadelstammholz aus dem Schwäbischen Wald fand über die Landesgrenzen hinaus Beachtung. Organisiert wurde sie durch die 2021 gegründete Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbischer Wald | Ostalb e.G. (HVG). Bevor die Stämme von den Käufern abgefahren werden sollten, bot die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Welzheimer Wald in Kooperation mit der Kreisforstverwaltung Rems-Murr-Kreis bei einer Besichtigung der Hölzer auf dem Sammellagerplatz Kaisersbach aufschlussreiche Einblicke hinter die Kulissen modernen Holzmarketings.
Sammellagerplatz Kaisersbach
Foto: Dr. G. Strobel
Eine Augenweide, nicht nur für Holzkäufer, sind die akkurat am Fahrweg aufgereihten Nadelholzstämme - soweit das Auge reicht. Alleine auf dem Sammellagerplatz in Kaisersbach wurden 1.200 Festmeter dieser Schätze zum Verkauf angeboten. Es soll sogar Holzkäufer gegeben haben, die sich vier Tage im nahen Kaisersbach einquartierten, um sich ihre Stämme in aller Ruhe aussuchen zu können. Das finanzielle Ergebnis kann sich sehen lassen: Gut 700.000 Euro wurden von 12 Bietern für das Holz angelegt. Der Durchschnittspreis über alle Baumarten stieg seit der ersten Submission 2024 um fünf Euro auf 205 Euro je Festmeter. Dabei konnten Spitzenpreise von über 600 Euro erzielt werden.
Ziel der Submission ist es, wertvolle Stämme, die weit verstreut im Wald gefällt werden, auf Sammellagerplätzen zu konzentrieren. Das verursacht zwar Transportkosten zum Lagerplatz in Höhe von etwa 20 Euro, die aber meist problemlos durch höhere Preise wettgemacht werden können – eine Win-Win-Situation für Waldbesitzer und Holzkäufer gleichermaßen. Dem Holz-käufer wird das beste Holz in großer Menge angeboten, ohne dass er sich dieses bei vielen Waldbesitzern und mit noch mehr Fahrkilometern im Wald zusammensuchen muss. Der Wald-besitzer andererseits kann so durch die HVG professionell unterstützt werden und erzielt durch das gebündelte Angebot bessere Preise.
Begrüßung
v.l.: Bürgermeister Michael Clauss (Kaisersbach), Friedemann Friz, Uli Häußermann, Rainer Eisenmann, Christian Hamann, Tamara Köngeter (nicht im Bild: Gert Pfeiffer)
Foto: Dr. G. Strobel
„Bei uns geht diese Vermarktungsstrategie auf einen ersten Versuch im Februar 2017 zurück“, berichtet Rainer Eisenmann, Vorsitzender der FBG Welzheimer Wald. Gemeinsam mit Forstrevierleiter Friedemann Friz überlegte er, wie man die zentrale Vermarktung, mit der man bei Laubwerthölzern schon viele Jahre Erfahrung hatte, auch auf die Nadelholzvermarktung im Kleinprivatwald anwenden könnte. So entstand der erste Nadelholz-Sammellagerplatz am Hagerwaldsee. Die Idee er Angebotsbündelung auf zunächst kleineren dezentralen und damit waldnahen Orten überzeugte. In den Folgejahren wurden mehr und mehr solche Sammellagerplätze eingerichtet. Andere Forstbetriebsgemeinschaften im Schwäbischen Wald übernahmen das Modell. Mit der Gründung der HVG war ein weiteres Werkzeug geschaffen worden, diese zentrale Art der Vermarktung immer größere Holzmengen organisatorisch zu bewältigen.
Friedemann Friz erklärt die Verkaufsergebnisse
Foto: Dr. G. Strobel
Uli Häußermann, HVG-Aufsichtsrat und stellvertretender Kreisforstamtsleiter unterstreicht die logistische Leistung dieses Unterfangens und wie wichtig die übergreifende Kooperation unterschiedlichster Akteure sei: „Zu allererst sind da die Waldbesitzenden selbst, die das Holz im Wald ernten und bereit sind, ihr Holz auf diesem neuen Weg zum Verkauf anzubieten.“ Die Forstbetriebsgemeinschaften als Zusammenschluss der Waldbesitzer sind Initiatoren und Motivatoren für solche Verbesserungen. Auf kommunalpolitischer Ebene seien die ebenfalls in den Forstbetriebsgemeinschaften organisierten Gemeinden wertvolle Stützen, an diesem Tag vertreten durch den Kaisersbacher Bürgermeister Michael Clauss und Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der beteiligten Gemeinden. Den Forstrevierleitern komme die zentrale Aufgabe zu, die Waldbesitzer bei der Auswahl der Stämme noch am Waldort zu beraten. Denn: „Für den Erfolg das Wichtigste ist Qualität, Qualität, Qualität!“ ergänzt Friedemann Friz nachdrücklich. Um solche Mengen an Stammholz zu präsentieren, werden große Flächen benötigt, deren Besitzer mitmachen müssten, so Häußermann. „Dann sind da die forstlichen Unternehmer und Fuhrleute, die für das Rücken, den pünktlichen Transport und die saubere Ablage der Werthölzer zuständig sind“, so Häußermann. „Und `last but not least´ laufen die Fäden bei der Holzvermarktungsgemeinschaft und deren Vorstand Frank Hofmann zusammen, die den Kontakt zu den Holzkäufern herstellt und die Submission organisiert.“ Friedemann Fritz: „Dass das Netzwerk hier noch lange nicht aufhört, davon zeugen die heute anwesenden Schreiner als Vertreter des Holz verarbeitenden Gewerbes und der Holzindustrie.“
Teilnehmer"prozession"
entlang der Nadelwertholzstämme
Foto: Dr. G. Strobel
Um der Besucherschar von mehr als 100 Interessierten an diesem Tag die Hölzer vorstellen zu können, werden nun vier Gruppen gebildet, geführt von den Forstrevierleiterin Tamara Köngeter und den Revierleitern Christian Hamann, Gert Pfeiffer und Friedemann Friz. Kompetent und auch mal launig stellen die Förster die Qualitäten des Nadelholzes vor, sprechen aber auch Holzfehler an, die die Kundschaft weniger schätze. Und wenn dann die obligatorischen Frage aufkommt, wieviel denn dieser oder jener Stamm gebracht habe, kommt es nicht selten vor, dass einem Teilnehmer in der Gruppe ein breites Grinsen auf dem Gesicht steht. Vielleicht der ehemalige Stamm-Besitzer?
Zwei Stunden später fasst Förster Friedemann Friz die wichtigsten Erkenntnisse zusammen (siehe Themen-Boxen). FBG-Chef Reiner Eisenmann verabschiedet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einem zünftigen Vesper mit einer Bitte: „Wichtig ist, dass die FBG-Mitglieder ihr gesamtes Holz über die Holzvermarktungsgemeinschaft anbieten. Die Kostenbeiträge der Waldbesitzenden bei der Submission können die vielfältigen Leistungen der HVG nicht alleine finanzieren – und schließlich ist die Holzvermarktungsgemeinschaft ja unsere eigene Vermarktungsorganisation.“
Themen-Boxen
Die Submissions-Ergebnisse in Zahlen
Gesamte Stammholzmenge: 4.200 Fm (davon wurden 3424 Fm zum Gesamterlös von 703.295 Euro verkauft)
SLP in Kaisersbach: 702 Fm Ta / 515 Fm Fi (davon 155 Fm unverkauft)
Holzarten:
Holzkäufer (Bieter): 12
Höhe der Gebote: 205 Euro (ø alle Baumarten)
Spitzenpreise über 600 Euro / Fm
Erkenntnisse aus der Submission 2025
Haupt-Holzfehler der Fichte
(Reihenfolge der Relevanz)
Haupt-Holzfehler der Tanne
(Reihenfolge der Relevanz)
Ratschläge für FBG-/ HVG-Mitglieder
Bilderstrecke der Platzbesichtigung
Lagerplätze der Nadelwertholz-Submission
Holzverkaufsorganisation
Die Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer Wald < Ostalb e.G. (HVG) wurde als Dachorganisation der gesamten gemeinschaftlichen Verkaufstätigkeiten für Rundholz aus Privat- und Körperschaftswald in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Rems-Murr-Kreis und Ostalbkreis mit zusammen 39.500 ha Waldbesitz am 29. April 2021 gegründet. Ihr gehören die Forstbetriebsgemeinschaften mit ihren Städten und Gemeinden an.
Ihre Ziele sind die Holzmengen-Bündelung, um am Markt mehr Gewicht zu haben, die Kostenoptimierung der Holzvermarktung, die Vermarktung aller Sortimente und ein Beitrag zur transparenten, rechtssicheren Vermarktungs-strukturen. Sie versteht sich als Dienstleister ihrer Mitglieder.
Geschichte der Nadelwertholz-Submission im Schwäbischen Wald
Aufbauend auf den jahrelangen Erfahrungen mit Laubholz-Submissionen wurde 2017 ein erster Versuch mit einem dezentralen Nadelholz-Sammellagerplatz (SLP) Hagerwaldsee gestartet, der von der Fachwelt sehr positiv aufgenommenen wurde. Ziel war und ist, dem Nachteil des weit verstreuten Nadelwertholzanfall im Kleinprivatwald des Schwäbischen Waldes mit eine Angebotsbündelung zu begegnen.
Mit dieser Erfahrung wurden in den Folgejahren weitere Sammellagerplätze mit wachsendem Umfang und stetig verbesserten Qualitätsanforderungen angelegt und dieses Konzept unter Ausweitung des Käuferkreises weiterentwickelt – Grundlage einer Submissionsvermarktung.
Das Konzept ist Ergebnis der kreativen Zusammenarbeit der Welzheimer Wald-Förster, allen voran Friedemann Friz und Gert Pfeiffer, mit Unterstützung der beiden damaligen Holzverkäufern des Kreisforstamts Rems-Murr-Kreis, Jürgen Sistermans-Wehmeyer und Frank Hofmann (heute HVG-Vorstand), und der Forstbetriebsgemeinschaft Welzheimer Wald mit ihrem für Innovationen immer offenen Vorstand unter der Leitung von Rainer Eisenmann.
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